Was ist eine Tinktur und wie stell ich sie her?

Tinkturherstellung mit Heilpflanzen

Eine Tinktur ist ein konzentrierter, flüssiger Kräuterextrakt. Typischerweise wird er hergestellt, indem Kräuter und andere Pflanzenteile einige Zeit in Alkohol eingeweicht werden, um die Wirkstoffe zu extrahieren. Alkohol gilt als ausgezeichnetes Lösungsmittel, da er Lebensmittelqualität aufweist und pflanzliche Bestandteile (wie Harze und Alkaloide) entfernen kann, die in Wasser schlecht löslich sind. Nach einer Woche wird die Kräutermischung filtriert und die Pflanzenteile entfernt, und die konzentrierte Flüssigkeit bleibt zurück.

Wie stelle ich eine Tinktur her?

Tinkturen können aus einem einzigen Kraut oder einer Kombination von Kräutern hergestellt werden. Sie werden aus frischen oder getrockneten Blättern, Wurzeln, Rinde, Blüten und Früchten hergestellt. Der Pflanzenteil hängt vom Pflanzentyp ab. Kräutertinkturen werden in einigen Drogerien und Lebensmittelgeschäften sowie online verkauft. Aber natürlich kann man sie ganz einfach selbst herstellen:

 

  1. Pflanzenteile sorgfältig trennen
  2. Die Kräuter grob hacken
  3. Glas mit Alkohol füllen, fest verschließen und wochenlang stehen lassen
  4. Die Tinktur im Dunkeln lagern oder von Licht fern halten
  5. Sie kann regelmäßig geschüttelt und das Glas bei Bedarf mit Alkohol gefüllt werden
  6. Das Pflanzenmaterial filtrieren und die Flüssigkeit in eine kleine, etikettierte Glasflaschen gießen

 

Wenn getrocknete Kräuter zur Herstellung von Tinkturen verwendet werden, ist ein übliches Verhältnis 1 Teil getrocknetes Pflanzenmaterial zu 4 Teilen Flüssigkeit (Verhältnis 1: 4). Wenn frische Kräuter verwendet werden, beträgt ein übliches Verhältnis 1 Teil Pflanzenmaterial zu 1 Teil Flüssigkeit (Verhältnis 1: 1).

Tinktur in einer Glaspipette

Wie hoch muss der Alkoholgehalt sein?

Eine Mischung mit einem Alkoholgehalt (sollte Ethylalkohol, Rum, Brandy, Wodka sein) von 15 Prozent und 25 Prozent hält lange. Es wird ausreichen, um die Essenz der Pflanze zu extrahieren. Ein höherer Alkoholgehalt extrahiert nicht mehr Saft aus der Pflanze und weniger Alkohol kann Fäulnis verursachen. Daher wird durch die Verwendung des angegebenen Alkohols sichergestellt, dass die Tinktur gut funktioniert.

Anwendung von Tinkturen

Da es eine Vielzahl an unterschiedlichen Tinkturen gibt, sind die Anwendungsbereiche verschieden. Tinkturen können innerlich wie äußerlich verwendet werden. Man kann sie pur 2-3 mal mit jeweils 10-50 Tropfen am Tag einnehmen, in heißes Wasser oder Tee dazu geben oder sie wird durch das Reiben auf einer erkrankten Stelle verwendet. Tinkturen können pur aufgetupft, als Kompresse verwendet oder auch ins Badewasser oder in Cremes gegeben werden. Die Einnahme von Tinkturen können Darmentzündungen und Magenbeschwerden lindern. Zusätzlich wird es bei nervlichen Störungen, Schlafproblemen, Nieren-Blasen-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Problemen, Erkrankung der Atemwege, hormonellen Störungen, Stoffwechsel- und Verdauungsschwäche und vieles mehr eingesetzt.

Wirkung von Tinkturen

Tinkturen sind sehr vielfältig und weisen unterschiedliche Wirkungen auf je nach Tinktur. Hier sind unsere TOP 5 Tinkturen aufgelistet sowie ihre Wirkung:

1. Beinwell Tinktur

Das Anwendungsgebiet von Beinwell ist sehr groß, Blutergüsse, Verstauchungen, Knochenbrüche, entzündliche Gelenkerkrankungen. Als wichtigster Inhaltsstoff in der Beinwellwurzel gilt Allantoin. Diees wirkt wundreinigend indem es sekretionsfördernd auf die verwundete Stelle wirkt, wodurch das Abfließen von Zellflüssigkeiten aus der Wunde gefördert wird. Gleichzeitig werden Krankheitserreger wie Bakterien abtransportiert.

Zusammen mit den Schleimstoffen der Beinwellwurzel unterstützt das Allantoin die Bildung neuer Zellen sowohl von Haut- als auch von Knochengewebe.

2. Arnika-Tinktur

Die Arnika, welche der Ringelblume ähnlich sieht, wächst auf den Bergen und ist in ihrer Wirkung sehr stark und intensiv. Es wird Vorsicht bei der Anwendung geraten, da sie reizend wirkt und Allergien auslösen kann. Wer sie aber verträgt, kann den Nutzen der Pflanze unter anderem bei Verletzungen des Bewegungsapparats und Entzündungen sehen. Sie sorgt für eine bessere Heilung bei Mundschleimhautentzündungen, Zahnfleischentzündungen, Mandelentzündungen, Rachenentzündungen aufgrund ihrer antiseptischen, antibakteriellen, durchblutungsfördernden und wundheilenden Wirkungen.

3. Lapacho-Tinktur

Lapacho kommt aus Südamerika und ist ein traditionelles Heilmittel, welches schon die Inkas für Infektionen und Hautkrankheiten appliziert haben. Aufgrund von fungiziden, antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften wirkt sie Immunsystem stärkend und wirkt Erkältungen und Schmerzen entgegen. Bei einer Vielzahl an Hautkrankheiten, wie zum Beispiel Psoriasis, Herpes oder Wunden wird es äußerlich angewandt.

4. Rosskastanien-Tinktur

Sie sind die Samen des Kastanienbaums und glänzende Früchte des Herbstes. Die Rosskastanie ist aufgrund ihrer gefäßstärkenden Eigenschaft bei Erwachsenen sehr beliebt und bekannt. Adstringierende, blutstillende, blutreinigende und krampflösende Wirkungen der Rosskastanie verhelfen bei Krampfadern, Arteriosklerose, Hämorrhoiden, Geschwüren, Wunden und bei vielen weiteren Venenkrankheiten.

5. Calendula-Tinktur

Die Ringelblume/Calendula ist zwar lange Zeit in Vergessenheit geraten, doch die Ringelblume ist eine der alten Heilpflanzen, die nun auch in der modernen Pflanzenmedizin verwendet wird. Ihre heilende Wirkung bei Wunden und ihre entzündungshemmende Wirkung auf Haut und Schleimhäute wurde immer wieder bestätigt. ⁠

Als wichtige Inhaltsstoffe gelten unter anderem Triterpensaponine, Flavonoide und ätherisches Öl. Diese haben eine wundheilungsfördernde und entzündungshemmende Wirkung. Studien haben auch weitere Wirkungen der Pflanze bestätigt: Die Ringelblume wirkt viren- und pilztötend (viruzid und fungizid) und wirkt Mikroorganismen entgegen (antimikrobiell).

Worauf sollte man bei Tinkturen achten?

Bei Tinkturen ist es wichtig sterilisierte dunkle Braunglasflaschen zu benutzen. Dunkles Glas schützt Pflanzen vor Licht. Die Flasche und die Pipette sollten aus Glas sein, da Kunststoff mit Alkohol interagieren könnte. Je länger die Tinktur zieht desto wirksamer wird sie. Außerdem muss man auf die Dosierung besonders achtgeben, um Nebenwirkungen wie trockene Haut zum Beispiel zu vermeiden.

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