Wachstücher selber machen

Wachtücher mit Nahrungsmitteln

Warum Wachstücher?

Erde und Ozeane versinken in einer Flut aus Plastik. Aus diesem Grund versuchen immer mehr Menschen, ihren Plastikverbrauch zu minimieren. Um dieses Vorhaben durchzusetzen, sind Alternativen zu Plastik notwendig. So auch eine plastikfreie Möglichkeit, um Lebensmittel ohne Frischhaltefolie zu verstauen. Hier kommen die Wachstücher ins Spiel. Durch die Körperwärme der Hände wird das Wachstuch flexibler und kann beispielsweise um eine Schüssel gedrückt werden. Anschließend erstarrt es in dieser Position und wirkt wie ein Deckel. Praktisch ist außerdem, dass du darin auch das Pausenbrot einpacken kannst. Isst du es dann im Laufe des Tages, musst du keine dicke Brotdose mehr in der Tasche herumtragen, sondern lediglich das Tuch, welches einfach zusammengefaltet und platzsparend verstaut werden kann. Dies ist besonders bei Shopping Touren praktisch, wenn sich die Taschen über die Zeit eher füllen als leeren. Außerdem sehen sie mit den verschiedenen Stoffen hübsch aus und können sogar zum Einfrieren benutzt werden.

Kaufen oder selbst herstellen?

Solltest du nun davon überzeugt sein, dass so ein Wachstuch auch in deinen Haushalt gehört, stehst du nun vor der Entscheidung, welche zu kaufen oder selbst eine kleine Produktion zu starten. Oftmals sind die fertigen Tücher, die es zu kaufen gibt, sehr teuer und/oder werden in China oder den USA produziert. Um unnötig lange Transportwege zu vermeiden, kannst du z.B. bei diesem Anbieter Wachstücher kaufen, die in Bio-Qualität in Deutschland und Österreich gefertigt werden. Wem das zu teuer ist oder wer einfach Lust auf DIY und individuell gestaltete Wachstücher hat, ist hier an der richtigen Stelle: Schritt für Schritt wird im Folgenden das Vorgehen zur eigenen Herstellung von Wachstüchern beschrieben. Hierbei gibt es sowohl eine vegane Variante mit Pflanzenwachs als auch eine Anleitung für das klassische Bienenwachstuch.

Warum selber machen?

Abgesehen vom Preis bietet das eigenhändige Herstellen noch weitere Vorteile. Zum Beispiel kannst du Upcycling betreiben und so weiter die Kosten senken und außerdem zusätzlich nachhaltig agieren. Stoffreste von ehemaligen Nähprojekten oder ausgediente Baumwoll- oder Leinenkleidung finden hier wieder eine Daseinsberechtigung. Auch Reste alter Bienenwachskerzen können wieder zum Einsatz kommen. Zudem kannst du individuell entscheiden, welche Größe deine Wachstücher haben sollen. Wenn du keinen passenden Stoff zu Hause hat, kannst du günstig in Stoffläden Stoffreste erwerben. Wachstücher eignen sich auch super als Geschenk! Besonders wenn sie selbst gemacht sind, verleiht es ihm nochmal eine persönliche Note. Außerdem ist das Geschenk nachhaltig und super praktisch. Zudem kann je nach Geschmack der beschenkten Person mit dem Muster und den Farben der Stoffe gespielt werden. Und last but not least macht es auch einfach super viel Spaß, man kann Freunde dazu einladen und besonders wenn man mit Bienenwachs arbeitet, duftet es herrlich!

Vegane Variante

Häufig erwähnte Alternativen zu Bienenwachs sind Carnauba- und Beerenwachs. Aus Brasilien bzw. Japan stammend muss beides um den halben Globus geschifft werden, bis es bei uns ankommt. Da lange Transportwege nicht unbedingt nachhaltig sind, recherchierte ich weiter und fand nach einiger Zeit das aus Deutschland stammende Rapswachs. Günstig und lokal – ich war begeistert. Leider erfuhr ich bei Telefonaten mit Herstellen, dass dieses Pflanzenwachs keine Lebensmittelzulassung hat und somit unbrauchbar für Wachstücher ist. Es kann sein, dass es unbedenklich ist, Lebensmittel darin einzuwickeln, doch die nötigen Tests fehlen noch, um dies mit Sicherheit zu bestätigen. Ebenso verhält es sich mit Sonnenblumenwachs. Deshalb kann ich dir an dieser Stelle leider keine befriedigende Alternative vorstellen. Du musst für dich entscheiden, ob dir kurze Transportwege wichtiger sind oder Veganismus – einen Kompromiss muss man derzeit leider noch eingehen. Das Gute ist, egal wie du dich entschiedest, beide Varianten sind umweltschonender und nachhaltiger als Plastik-Frischhaltefolie.

Unterschied zwischen Pflanzen- und Bienenwachstuch

Die Eigenschaften von Bienen- und Pflanzenwachstüchern unterscheidet sich vor allem darin, dass vegane Wachstücher etwas steifer sind und weniger gut von alleine Haften. Hier kann aber ganz simpel ein Gummiband Abhilfe schaffen. Das Bienenwachs wird von der Wärme der Hände etwas geschmeidiger und lässt sich so gut an verschiedene Formen anpassen und „haftet“ auch ohne Gummiband. Das Vorgehen ist für beide Varianten fast gleich. Der einzige Unterschied besteht in dem verwendeten Wachs. Da sich die verschiedenen Arten von Wachs in der Schmelztemperatur unterscheiden, variiert auch die Temperatur, die das Innere des Backofens haben muss. Das steht aber alles auch nochmal in der Anleitung. Außerdem können diejenigen, die keinen Backofen oder kein Bügeleisen zur Verfügung haben, einfach den jeweiligen Schritt auslassen und es funktioniert trotzdem.

Das brauchst du:

Bienenwachstücher

  • Baumwoll- oder Leinenstoff(-reste)
  • Bienenwachs, zerkleinert oder in Pastillenform: Bienenwachs-Kerzenreste, vom örtlichen Imker oder z.B. hier bzw hier online kaufen (bio, aus Deutschland bzw. Österreich und plastikfrei verpackt)
  • Optional Pflanzenöl (kein Jojobaöl!)
  • Backblech, Backpapier und Ofen
  • Bügeleisen
  • (Zickzack-) Schere

Vegane Wachstücher

  • Bamwoll- oder Leinenstoff(-reste)
  • Carnaubwachs und/oder Beerenwachs, können auch gemischt werden (siehe Kasten „vegane Alternative“)
  • Optional Pflanzenöl (kein Jojobaöl!)
  • Backblech, Backpapier und Ofen?!
  • Bügeleisen
  • (Zickzack-) Schere

Für die Herstellung von Bienenwachstüchern gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Vorgehensweisen: die Backofen- oder die Bügelmethode. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass eine Mischung aus beiden am besten funktioniert. Sollte man jedoch nur eines von beiden zu Hause haben, geht es auch nur mit dem Ofen bzw. Bügeleisen.

Los geht's

  1. Zuerst muss der Stoff auf die gewünschte Größe zurechtgeschnitten werden. Hierbei kann auch eine Zickzackschere, wie man sie aus dem Grundschulunterricht kennt, benutzt werden. Das sieht hübsch aus und zudem franst der Stoff weniger aus. Wenn man nun allerdings, so wie ich, keine solche Schere zur Hand hat, geht es auch ohne. Durch das Wachs verkleben die Kanten des Stoffes und fransen kaum aus. Die paar Fäden, die dann eventuell abstehen, kann man auch noch nachträglich ohne Probleme abschneiden.
  2. Bevor du das Stück Stoff weiter verarbeitest, empfiehlt es sich, kurz drüber zu bügeln, damit es schön glatt ist.
  3. Anschließend legst du Backpapier auf ein Backblech und breitest das Tuch darauf aus.
  4. Als nächstes kannst du (nicht unbedingt notwendig) das Tuch mit ein paar Tropfen Pflanzenöl beträufeln. Bei der Wahl des Öls ist vor allem darauf zu achten, dass du kein Jojobaöl verwendest, wie es in so vielen Anleitungen empfohlen wird. Denn Jojobaöl hat keine Lebensmittelzulassung und steht darüber hinaus sogar im Verdacht, unverdaulich zu sein und toxisch auf den Körper zu wirken. Ich selbst habe gar kein Öl verwendet, denn es funktioniert auch ohne sehr gut.
  5. Anschließend verteilst du die Bienen- oder Pflanzenwachs-Pastillen (je nach dem, für welche Variante du dich entschieden hast) gleichmäßig auf dem Stück Stoff. Hierbei habe ich die Erfahrung gemacht, dass man weniger Wachs braucht, als man denkt. Deshalb dosiere anfangs lieber vorsichtig.
  6. Nun kommen Backblech und -papier inklusive Tuch und Wachspastillen bei der unten angegebenen Temperatur für einige Minuten in den Ofen.
Wachs Bienenwachs Carnaubawachs Beerenwachs
Backofentemperatur 70°C (max. 80°C) 90°C 60°C
  1. Währenddessen einfach ab und an einen Blick in den Ofen werfen, denn am Ende muss alles Wachs geschmolzen sein. Wie lang das dauert, ist unter anderem von der Größe der Wachspastillen abhängig.
  2. Anschließend holst du alles aus dem Ofen. Nun hast du zwei Optionen: wenn du das Gefühl hast, dass es zu viel Wachs für ein Tuch ist, kannst du ein zweites darauf legen und dann nochmal ein Stück Backpapier. Darüber bügelst du nun so lange, bis sich das Wachs auch auf dem zweiten Tuch gleichmäßig verteilt hat.
  3. Wenn man nur ein Bügeleisen und keinen Ofen hat, empfehle ich, das Wachs zuerst in einem Wasserbad zu schmelzen, es dann mit einem Pinsel auf das Tuch aufzutragen und es anschließend zwischen Backpapier zu bügeln.
  4. Wenn du nicht das Gefühl hast, dass das Wachs für zwei Tücher reicht, legst du einfach direkt auf das Tuch aus dem Ofen ein Backpapier, ohne ein zweites Tuch dazwischen zu platzieren. Und wieder wird gebügelt, bis das Wachs ebenmäßig eingezogen ist. Es kann vorkommen, dass z.B. am Rand des Stoffes noch ein paar Stellen sind, die noch nicht von Wachs durchtränkt sind. In dem Fall kannst du das Tuch einmal umklappen (zusammenfalten), sodass die besagte Stelle auf einem Stück Stoff liegt, das voller Wachs ist. Dann ein Backpapier drauf und nochmal bügeln. Nach kurzer Zeit sollte auch die wachsfreie Stelle durchtränkt sein.

Tipp: Sollte trotz des Backpapiers etwas von dem Wachs auf das Bügeleisen gelangt sein, kannst du mit dem Bügeleisen eine Weile über ein saugfähiges Tuch, z.B. Küchenrolle bügeln. So verschwindet das Wachs nach kurzer Zeit.

  1. Zum Schluss trennst du die Tücher wieder voneinander und lässt sie erkalten. Fertig ist das Wachstuch! 😊

Pflege und Erneuerung

Wachstücher sollten nicht mit Spülmittel gereinigt, sondern nur mit klarem Wasser abgewaschen werden. Wer das unhygienisch findet, kann das Tuch einfach ab und an für ein paar Minuten bei 100°C in den Ofen legen (oder wieder drüber bügeln), so wird es desinfiziert. Das hilft bspw. auch, wenn das Tuch nach einiger Zeit Falzkanten bekommt. Die beeinträchtigen zwar nicht die Funktion des Tuchs, können aber optisch mitunter stören. Auch sie werden nach kurzer Zeit im Ofen oder durch Bügeln wieder verschwinden. Je nach Intensität des Gebrauchs können Wachstücher 1,5 – 2 Jahre verwendet werden. Anschließend kannst du sie einfach in Streifen schneiden und in den Biomüll oder auf den Komposthaufen geben.

Viel Spaß!

No Comments

Post A Comment