Naturkosmetik selbst herstellen

Im Folgenden soll jeder, der seine eigene Kosmetik herstellen möchte, das nötige Basiswissen erhalten, um sich an eigenen individuell gestalteten Rezepturen versuchen zu können. Voraussetzung hierfür ist ein fundiertes Wissen über Grund- und Hilfsstoffe, Emulgatoren sowie Zusatz- und Wirkstoffe. Zu Beginn muss sich jeder über die einzelnen Komponenten seiner Rezeptur Gedanken machen. Diese werden durch den gewünschten Effekt auf die Haut abgeleitet. Man beginnt daher mit der Beantwortung der Fragen:

Welcher Effekt soll mit dem Produkt erzielt werden?
Für welchen Hautzustand bzw. Einsatzzweck soll das Produkt geeignet sein?

Von der Basisrezeptur bis hin zum Abfüllen werden die einzelnen benötigten Komponenten im Folgenden näher beschrieben.


Komponente 1/6: Basisrezeptur, Grundlagen und Lösungsmittel

Das Emulsionssystem wird, wie bereits oben beschrieben, in der Regel aus einer Öl- und Wasserphase bestehen. Am besten orientiert man sich an einer einfachen Basisrezeptur, die dann beliebig angepasst werden kann. Durch den Austausch der Ölphase oder des Emulgators kann man erfolgreich neue Rezepturen entwerfen. Das Verhältnis zwischen Emulgator und Öl- bzw. Wasserphase sollte beibehalten werden.

Wasserphase: Für die Wasserphase sollte entweder ein Pflanzenhydrolat oder Wasser in destillierter oder demineralisierter Form verwendet werden. Normales Leitungswasser hat meist einen zu hohen Kalkgehalt und dir Ionen im Wasser können die Eigenschaften der Zubereitungen negativ beeinflussen.

Ölphase: Für die Ölphase werden Öle, flüssige Fett oder Wachse benötigt. Für die Anwendung auf der Haut sollten natürlich Pflanzenöle und Wachse verwendet werden.

Emulgator: Je nach gewünschtem Endprodukt (O/W- oder W/O-Emulsion) wird ein geeigneter Emulgator gewählt. Der Emulgator bestimmt die Phasenverteilung des Endproduktes:

O/W-Emulgator: Ölphase / Wasserphase = < 50 / > 50 %
W/O-Emulgator: Ölphase / Wasserphase = > 50 / < 50 %

Komponente 2/6: Wirkstoffe

Anhand des gewünschten Effekts auf die Haut werden verschiedene Wirkstoffe gewählt. Es sollten nicht zu viele Wirkstoffe auf einmal gewählt werden (max. 5), denn je mehr Inhaltsstoffe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von Inkompatibilitäten. Will man dennoch von einer hohen Anzahl von Wirkstoffen profitieren, kann man diese auf verschiedene Cremes aufteilen (Tagescreme, Nachtcreme, Augencreme etc.).

 

Wirkstoffe für verschiedene Hautzustände

Quelle: Elsässer, S. (2008). Körperpflegekunde und Kosmetik: Ein Lehrbuch für die PTA-Ausbildung und die Beratung in der Apothekenpraxis (1. Aufl.). Berlin, Deutschland: Springer-Verlag.

 

Wirkstoffe in Kosmetika

 

 

Quelle: Elsässer, S. (2008). Körperpflegekunde und Kosmetik: Ein Lehrbuch für die PTA-Ausbildung und die Beratung in der Apothekenpraxis (1. Aufl.). Berlin, Deutschland: Springer-Verlag.


 

Komponente 3/6: Zusatzstoffe

Mit Zusatzstoffen werden Geruch, Farbe oder Anwendungseigenschaften der Emulsion verbessert. Wie der Name schon sagt, sind sie nicht immer zwingen notwendig.

Geruch: Für einen angenehmen Geruch der Emulsion verwendet man am besten ätherische Öle. Dabei sollten nur wenige Tropfen verwendet werden, da der Geruch schnell penetrant wirken kann. Um die Verträglichkeit des Duftstoffes zu testen, sollte man einen Anwendungstest auf der Haut durchführen.

Farbe: Als Farbstoffe können Lebensmittelfarben und pflanzliche Farbpigmente verwendet werden. Um allergische Reaktionen zu vermeiden, kann man sich auf das hautverträgliche Vitamin Carotinöl beschränken, welches einen Wirkstoff sowie einen orange-roten Farbstoff darstellt.

pH-Regulatoren, Puffer: Einige Stoffe wirken nur in bestimmten pH-Bereichen optimal (z.B. Konservierungsstoffe), weshalb es nötig sein kann die Emulsion auf einen bestimmten pH-Wert einzustellen. Hierfür misst man mit einem pH-Papier den pH-Wert des hergestellten Produktes. Anschließend gibt man tröpfchenweise eine Zitronensäurelösung oder Milchsäure hinzu und misst immer wieder den pH-Wert bis dieser etwa 5,5 beträgt (pH-Wert der Haut).

Spreitmittel: Durch Spreitmittel wird die Vertreilbarkeit von Zubereitungen verbessert. Vorteilhaft ist dies vor allem für Körperlotionen oder Sonnenschutzmittel. Bei Augencremen sollte dies natürlich vermieden werden, damit das Produkt nicht in die Augen gelangt. Spreitmittel gehören zur Gruppe der flüssigen Lipide und werden daher in 2-Phasen-Systemen mit den anderen Lipiden gemischt.

 

Antioxidationsmittel und Konservierungsmittel: Antioxidationsmittel dienen zur Stabilisierung von oxidationsempfindlichen Ölen, Fetten und Wachsen, wobei Konservierungsmittel zum Schutz gegen mikrobiellen Verfall der Produkte mit Wasseranteil dient. 


 

Komponente 4/6: Stabilisierer

Um eine akzeptable Anwendungsdauer des hergestellten Produktes zu gewährleisten, benötigt man möglicherweise Zusätze, die die mikrobiologische und chemische Stabilität verbessern.

Mikrobiologische Stabilität: Rezepturen mit Wasser können nur wenige Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden, da Bakterien oder Pilzstämme wachsen können. Um diesem Prozess entgegen zu wirken, können Konservierstoffe verwendet werden, die für die Naturkosmetik zugelassen sind. Alternativ oder zusätzlich können ein- und mehrwertige, kurzkettige Alkohole verwendet werden. Alternativ können antimikrobielle und desinfizierende Wirkstoffe (z.B. Thymianöl oder Nelkenöl) verwendet werden, wobei für diese keine sicheren Werte der Art der Stabilisierung vorliegen.

Chemische Stabilität: Chemisch verändert werden Inhaltsstoffe hauptsächlich durch Sauerstoff, jedoch auch durch Licht und Wärme. Hierdurch wird das Produkt ranzig und es entstehen gesundheitsschädliche freie Radikale. Diesem Vorgang kann leicht entgegengewirkt werden, indem Antioxidantien zugesetzt werden (Vitamin E). Außerdem sollte das Produkt dunkel und kühl gelagert werden.


Komponente 5/6: Herstellung

Nachdem man die Inhaltsstoffe seiner Rezeptur zusammengesucht hat, müssen diese nun verarbeitet werden. Es empfiehlt sich die Zutaten zu sortieren und alle Zutaten, die zur Ölphase gehören (fettlöslich), zu gruppieren, ebenso die Zutaten der Wasserphasen und die thermoinstabilen Zutaten, die zuletzt hinzugefügt werden.

Vorbereitungen

  • Die Arbeitsfläche sollte freigeräumt und desinfiziert werden (am besten mit 70% igem Alkohol oder 60 – 10% igem Isopropanol).
  • Auch die Hände und alle Hilfsgegenstände wie Spatel, Bechergläser, Rührgerät und Aufbewahrung sollten desinfiziert werden. Bei Bedarf können diese mit abgekochten Wasser ausgespült werden und gründlich getrocknet werden. Wird das Produkt in Cremedosen aus Glas abgefüllt, können diese alternativ unter mittlerer Hitze einige Minuten in den Ofen gestellt werden.
  • Es empfiehlt sich ein frisches Tuch zum Reinigen bereitzulegen (alternativ Küchenrollen-Papier).
  • Zuletzt sollten alle Hilfsgegenstände bereitgelegt und die Inhaltsstoffe sortiert werde


Wässrige Lösungen, Reinigungsprodukte

  1. Gewünschte Menge Wasser kochen und auf Raumtemperatur abkühlen lassen (eventuell Zitronensäure zugeben als Konservierer).
  2. Nacheinander die abgewogenen Feststoffe im Wasser lösen.
  3. Anschließend die flüssigen Inhaltsstoffe einrühren.
  4. Bei Bedarf den pH-Wert des fertigen Produktes abmessen und mit Citronensäurelösung oder Milchsäure auf 5,5 einstellen.
  5. Parfümieren mit hydrophilen Lösungen oder ätherischen Ölen.


Ölige Lösungen

Ölige Lösungen enthalten keine Wasserphase und somit wird es zu keiner Verkeimung kommen. Jedoch sollte Ölen Antioxidantien zugesetzt werden, um eine Ranzigkeit zu vermeiden.

  1. Für abgewogenen flüssigen Öle in einem Becherglas verrühren.
  2. Lipophile Wirk- und Zusatzstoffe einzeln unterrühren.
  3. Antioxidatien dazu geben.


Gele

Für kosmetische Zwecke genutzte Gele sind meist Hydrogele (auf Wasserbasis) und somit muss auch hier auf die Konservierung geachtet werden.

  1. Gewünschte Menge Wasser kochen und auf Raumtemperatur abkühlen lassen.
  2. Wasserlöslichen Stoffe darin lösen.
  3. Gelbildner in die Flüssigkeit streuen und vorsichtig einrühren ohne zu viele Luftblasen zu bilden.
  4. Gemisch eine Weile stehen lassen, bis keine Gelklumpen mehr vorhanden sind.
  5. Die übrigen flüssigen Zutaten in das Gel einrühren.
  6. Bei Bedarf den pH-Wert des fertigen Produktes abmessen und mit Citronensäurelösung oder Milchsäure auf 5,5 einstellen.
  7. Nach Bedarf konservieren.


Feste, lipophile Produkte: Stifte, Balsame

Um festere lipophile Produkte zu erhalten, benötigt man ausreichend feste Lipide, die geschmolzen werden, um sie mit anderen Inhaltsstoffen zu vermischen. In dieser Zubereitung ist kein Wasser enthalten und somit muss nicht konserviert werden. Auf die Zugabe von Antioxidantien sollte jedoch geachtet werden.

  1. Zutaten abwiegen und in ein heißes Wasserbad geben.
  2. Unter Rühren die Mischung erwärmen bis alle Zutaten geschmolzen sind (auf thermoinstabile Zutaten achten, z.B. Kakaobutter bis max. 35 °C erwärmen).
  3. In eine Stifthülse oder Döschen abfüllen.


Emulsionssysteme: Cremes, Lotionen, Milche

Bei Emulsionen handelt es sich um ein Gemisch aus zwei Phasen, der Wasser und der Lipidphase. Die Zutaten werden in lipophile Zutaten und Lipide, hydrophile Zutaten und Wasser, in Emulgatoren und thermoinstabile Zutaten geteilt. Da sowohl Wasser wie auch Öl enthalten sind, muss konserviert und auf die Zugabe von Antioxidantien geachtet werden.

  1. Emulgatoren, flüssige und feste Lipide in einer Schale abwiegen.
  2. Im Wasserbad schmelzen und auf etwa 70 – 75 °C erwärmen.
  3. Gewünschte Menge an destilliertem Wasser abkochen und auf 70 – 75 °C abkühlen lassen.
  4. Bei Bedarf thermostabile hydrophile Zutaten (wie Glycerin) zum Wasser geben ( 70 – 75 °C beibehalten).
  5. Wasserphase (70 – 75 °C) in dünnem Strahl in die Lipidphase (70 – 75 °C) einrühren.
  6. Hochtourig mit einem Milchaufschäumer / Stabmixer / Hanrührgerät mixen.
  7. Schale aus dem Wasserbad nehmen und unter Rühren auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.
  8. Nach Bedarf Wirkstoffe, Konservierer, Antioxidatien, Duft-und Farbstoffe zugeben, pH-Wert einstellen und nochmals gut mixen.


Komponente 6/6: Verpackung

Das Abfüllgefäß sollte die Zubereitung vor Licht und Luft schützen. Es sollte vor dem Abfüllen gereinigt und desinfiziert werden. Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verpackungsmöglichkeiten aufgeführt.

Kunststoff: Behälter aus Kunststoff sind im Vergleich zu Glas porös und lassen Sauerstoff durch. Durch Oxidation können enthaltene Zubereitung an Wirkung verlieren.

Weißglas: Der Vorteil den Weißglas biete ist, dass die Farbe der Creme immer gesehen werden und Farbveränderungen leicht wahrgenommen werden. Weißglas schütz die Zubereitung jedoch nicht vor Licht und sollte daher in lichtgeschützten Schubladen oder Schränken aufbewahrt werden.

Braunglas: Braunglas stellt die preislich günstigere lichtschützende Alternative zu Violettglas dar. Es bietet einen moderaten Schutz vor Licht und kann somit deren Haltbarkeit verlängern.

Violettglas: Diese Glasart stellt wohl die geeignetste Art an Abgabegefäß für Kosmetik dar. Es ist in der Lage sichtbare Lichtfrequenzen (blau, grün, gelb, rot) abzuweisen und gleichzeitig ultraviolettem, violettem und infrarotem Licht Zutritt ins Glas zu ermöglichen. Ultraviolettes und violettes Licht hat nach Erkenntnissen der Bophotinischen Forschung eine viren- und bakterienabtötende Wirkung sowie eine zellregenerierende Wirkung.

Quellen

Quelle: Elsässer, S. (2008). Körperpflegekunde und Kosmetik: Ein Lehrbuch für die PTA-Ausbildung und die Beratung in der Apothekenpraxis (1. Aufl.). Berlin, Deutschland: Springer-Verlag.